Alfons Jörger-Stoffel

 

 

 

 

 

D’ Valler Puura (Teil 4)

Verantwortung als Herausforderung

 Alfons Jörger, seine Hände sind gezeichnet von den vielen Jahren als Landwirt in Vals. Sie zeugen von der harten Arbeit. Seit seiner Schulzeit ist Alfons Jörger in Vals Bauer. Am Anfang führte er gemeinsam  mit  seinen Vater einen Hof. Sie hatten ihr Vieh in den kleinen Ställen, die das Dorfbild von Vals prägen. „Stellä ond robbä“ gehörte genauso dazu wie das Heuen im Sommer. 1975 heiratete er Fina Stoffel vom „Stei“. Zusammen mit dem Onkel von Fina Stoffel der ebenfalls einen Hof hatte, führten sie dessen Hof gemeinsam weiter. Sein Vater hatte selber noch ein paar Schafe und als dieser aufhörte übernahm Alfons Jörger das Land. Als er vor der Entscheidung stand, ob er einen neuen Stall bauen möchte oder die Landwirtschaft aufgeben sollte, entschied er sich für den Bauernberuf und baute 1984 eine neuen Stall. Auf die Frage, was er seinem Enkelkind Jonas antworten würde, was schön ist am Bauer sein, gibt er mir zur Antwort: Früher sei es die Selbstständigkeit gewesen, die er besonders schätzte, doch heute sei durch all die Vorschriften nicht mehr viel davon übrig. Die Zeit auf dem Maiensäss ist für ihn eine besonders schöne Zeit im Jahr und selbstverständlich gehört die Freude an den Tieren und auch an den Maschinen dazu.

36 Jahre ist eine stolze Zahl und steht für die Jahre die Alfons Jörger schon Alpmeister auf der Alp Selva ist. Als Alpmeister ist er unter anderem für die Gebäude auf der Alp, für die Hirtschaft beim Galtvieh aber auch dafür verantwortlich das sie genug Vieh haben um die Alp zu bestossen. Letzteres wird immer schwierig und es erfordert grossen Einsatz, Bauern aus dem Unterland dazu zu motivieren das Vieh in die Bündner Berge zu bringen. Die Transportkosten sind von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht wohin sie das Vieh bringen und da ist der Weg nach Vals oft mit höheren Kosten verbunden als beispielsweise nach Österreich. Für die Bestossung der Alpen ist das Vieh vom Unterland von grosser Bedeutung, da es nicht genügend einheimisches Vieh hat. Ein eher beschwerlicher Teil als Alpmeister ist es immer wieder die Leute für Arbeiten auf der Alp zu mobilisieren. Die trockenen Sommer der letzten Jahre bringen auch Alfons Jörger zum Nachdenken. So hat es Ende eines trockenen Sommers auf den  „Bödem“ kein Wasser mehr. Noch kann man durch frühes beweiden und anschliessendem Wechsel auf die Weiden um den Selvasee herum diese Problem umgehen. Doch mussten auch schon Leitungen gelegt werden um in trockenen Gebieten genügend Wasser für das Vieh zu haben. Es bleibt zu Hoffen, das solch trockene Sommer nicht zum Alltag werden.

Neben der Arbeit auf dem Hof ist Alfons Jörger seit 1975 im Winter bei den Sportbahnen Vals angestellt. Ein Jahr arbeitete er am Skilift, danach war er 2 oder 3 Jahre Pistenpatrouilleur und seither ist er Pisten- und Rettungschef im Skigebiet Vals. Eine Aufgabe die viel Verantwortung mit sich bringt aber auch sehr abwechslungsreich ist. So ist Alfons Jörger dafür verantwortlich, welche Piste geöffnet werden soll, ob Lawinensprengungen gemacht werden müssen oder wann bei starkem Wind die Lifte geschlossen werden. Auch die korrekte Markierung der Pisten ist von entscheidender Bedeutung wenn ein Unfall geschieht. Alle 5 Jahre werden diese durch den Seilbahnenverband abgenommen. Alfons Jörger ist immer froh, wenn am Abend alle gesund vom Skigebiet zurück sind. Wenn in der Nacht Schnee gefallen ist muss er schon um 8 Uhr zur Arbeit und so ist es seine Frau Fina, die die Arbeit zu Hause auf dem Hof zu Ende bringt.

Durch das Arbeiten im Skigebiet hat Alfons Jörger direkte Kontakt zu den Gästen. In den letzten Jahren sind die Gästezahlen ehre zurückgegangen, der Trend Skifahren ist eher rückläufig. Einerseits sieht Alfons Jörger den Grund im mangelhaft vorhandenen Schnee der letzten Jahre, aber auch im Rückgang der Gästebetten in Vals, da die Anzahl Eigentumswohnungen zugenommen hat. Tourismus ist sowohl für das Dorf selber als auch für die Sennerei und damit für die Valser Bauern von grosser Bedeutung. Einerseits als Verdienst der Bauern im Nebenerwerb und auch durch den Konsum von einheimischer Milch und Milchprodukten. Die Gäste kommen in den Genuss von Valser Bio Bergkäse und die Valser Bauern haben ihr Auskommen – eine wichtige „Zusammenarbeit“ die es zu Pflegen gilt.

Am 19. Januar wird Alfons Jörger 60 Jahre alt und so macht auch er sich Gedanken wie es danach weiter gehen soll. Nach der Pensionierung, wenn Alfons Jörger nicht mehr berechtigt ist Direktzahlungen zu beziehen, kann er sich vorstellen sich danach mit Schafen und Ziegen zu beschäftigen. Direktzahlungen sind eine Unterstützung des Bundes und entschädigen die Pflege der Landschaft durch die Landwirte.  Für seinen Enkel Jonas muss er nächstens zwei Ziegen kaufen. Und der Enkel halt klare Vorstellung, mit dem Vorschlag seines Ena zwei Burenziegen zu kaufen war er ganz und gar nicht einverstanden, Strahlenziegen müssen es sein! Ohne Direktzahlungen macht es wenig Sinn einen Landwirtschaftsbetrieb zu führen oder wie es Alfons sagt: Dann bleibt man lieber auf dem Kanapee.

Alfons Jörger freut sich aber auch darauf ein bisschen auszufahren und andere Regionen zu sehen oder die Zeit auf dem Maiensäss auf der Matta zu geniessen: „D’Matta – z’schönschtä land vo Vals!“

Marianne Loretz